Eigentlich wollte er Priester werden: 6 Fakten über Casanova

Rund 130 Liebschaften dokumentierte Casanova in seinen Memoiren. Aufgenommen wurden einige davon auch in der Verfilmung mit Heath Ledger
Credit: Imago
Rund 130 Liebschaften dokumentierte Casanova in seinen Memoiren. Aufgenommen wurden einige davon auch in der Verfilmung mit Heath Ledger
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Am 2. April wäre Casanova, der wohl legendärste Verführer in der Geschichte der Verführung, 300 Jahre alt geworden. Diese 6 Dinge lohnt es sich, über den Italiener zu wissen

Von: Playboy Redaktion
01.04.25
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1. Casanova war ein Multitalent

Der Mann, der als wohl berühmtester Herzensbrecher der Geschichte gilt, war in jungen Jahren auf bestem Weg, Priester zu werden. In seiner Heimatstadt Venedig hielt Giacomo Girolamo Casanova, 1725 als Sohn eines Schauspielerpaares geboren, sogar erste Predigten. Dann überlegte er es sich aber anders, täuschte, so die Legende, betrunken eine Ohnmacht auf der Kanzel vor und war in den folgenden Jahrzehnten unter anderem als Jurist, Violinist, Diplomat, Spion, Glücksspieler, Lotteriebetreiber und Bibliothekar tätig. Sowie – natürlich – als Schriftsteller: Auf seiner Autobiografie „Histoire de ma vie“, die er am Lebensende verfasste, fußt sein bis heute andauernder Ruhm.

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2. Casanova war ein Abenteurer

Ob all die Geschichten in seiner Autobiografie wahr sind? Unklar. Angenommen wird aber, dass ein großer Teil seiner Erzählungen über wilde Liebschaften, aufregende Reisen und Treffen mit Größen wie Preußenkönig Friedrich II. und Zarin Katharina II. auf wahren Begebenheiten basieren. Fest steht für den Literaturprofessor Leo Damrosch, Autor der Casanova-Biografie „Adventurer“: „Er war vor allem ein Abenteurer, ein Typus, der im Europa des 18. Jahrhunderts wohlbekannt – ja berüchtigt – war.“ Teil einer Art Subkultur von Männern, „die sich frei in der Gesellschaft bewegten und sie zu ihrem Vorteil ausnutzten, manchmal mit ethischen Mitteln, oft aber auch nicht“.

3. Casanova war ein Kosmopolit

Mehr als 60.000 Kilometer soll Casanova auf seinen Reisen zurückgelegt haben. Sie führten ihn per Kutsche in zahllose europäische Städte von London bis Sankt Petersburg. Er verliebte sich in Cesena, wurde in Lyon zum Freimaurer, gründete in Paris eine Lotterie, stritt in Genf mit Voltaire, duellierte sich in Polen, saß in Spanien im Gefängnis, lebte von Geschenken und Geschäften, schrieb mehrere Bücher, verkehrte in adligen Salons – und in all dieser Zeit auch mit sehr vielen Frauen.

4. Casanova war ein Ausbrecher

Prominenz erlangte Casanova zu Lebzeiten wegen seines Ausbruchs aus dem Gefängnis des Dogenpalastes in Venedig. Rund 15 Monate saß er dort in einer finsteren Zelle in den sogenannten Bleikammern ein, nachdem er 1755, angeblich ohne einen Grund genannt zu bekommen, festgenommen worden war. Seine Flucht aus dem berüchtigten Gefängnis – er kletterte laut eigener Schilderung nachts durch ein Loch aufs Dach, seilte sich ab und verließ auf einer Gondel die Stadt – machte ihn über Italiens Grenzen hinaus bekannt.

5. Casanova ist ein Beststellerautor

Grund für Casanovas Jahrhunderte überdauernde Prominenz ist seine „Histoire de ma vie“, die er auf Schloss Dux in Böhmen verfasste, wo er im Alter als Bibliothekar arbeitete und 1798 starb. Eine Nachkommin Casanovas verkaufte das Manuskript an den Leipziger Brockhaus-Verlag, der es ins Deutsche übersetzen ließ und 1822 erstmals in Auszügen publizierte. Mit großem Erfolg. Bis heute ist die Autobiografie in mehr als 20 Sprachen erschienen. Das handgeschriebene Manuskript verkaufte die Familie Brockhaus 2010 für rund 7,2 Millionen Euro an den französischen Staat.

6. Casanova ist bis heute eine Streitfigur

Casanova polarisiert. In Filmen wird er mal als romantischer Abenteurer präsentiert (siehe Bild aus der Hollywood-Verfilmung mit Heath Ledger), mal als trauriger Antiheld wie in „Fellinis Casanova“. Die Autorin Judith Summers schreibt in ihrer Biografie „Casanova’s Women“, er sei „ein Verführer, der, wenn er heute tätig wäre, wegen des Bruchs von Abmachungen, Inzest, Betrug, Pädophilie, schwerer Körperverletzung und Vergewaltigung im Gefängnis sitzen könnte“. 

Freundlicher blickt die Schauspielerin Elisabeth-Joe Harriet, eine Nachfahrin Casanovas, auf ihn. Mit seinem Namen werde „das völlig falsche Bild eines machohaften, unverbesserlichen Schürzenjägers verbunden“, sagte sie 2018 dem österreichischen Blatt „Kleine Zeitung“. „Nur wer Bildung, Niveau, Stil, Benehmen, Fantasie und Mut hat, hat eine Chance, auch ein guter Liebhaber im Sinne eines Casanova zu sein, mit  dem sich eine Frau mit Freude unterhält.“